Hollywoodreifer AusbruchHäftling flieht über das Dach aus JVA Duisburg-Hamborn

In der Nacht gelingt einem Häftling der JVA Duisburg-Hamborn eine spektakuläre Flucht: Er schafft es aus seiner Zelle im dritten Stock über das Dach zu entkommen. Bisher fehlt jede Spur von dem Mann.
Mit einem hollywoodreifen Ausbruch ist ein 35 Jahre alter Untersuchungsgefangener am frühen Morgen gegen 3.20 Uhr aus der JVA Duisburg-Hamborn entkommen. Das teilte das Justizministerium NRW mit. Der Häftling habe einen der Gitterstäbe vor dem Fenster seiner Zelle entfernt und sei dann über das Dach geflohen, sagte ein Sprecher des Justizministeriums.
Es war zunächst unklar, wie der Mann einen der Gitterstäbe entfernen konnte. Nun hat sich herausgestellt, dass der Häftling ein Versteck im Boden seiner Zelle angelegt hatte. Der Hohlraum unter dem Linoleumboden sei offensichtlich bei Zellenkontrollen nicht bemerkt worden, jetzt aber entdeckt worden, sagte ein Sprecher des Justizministeriums. Werkzeug habe sich in dem Hohlraum nicht mehr befunden.
Man könne inzwischen sicher annehmen, dass der Häftling einen Gitterstab vor dem Fenster seiner Zelle zum Innenhof durchgesägt habe. Um die Feinvergitterung vor dem Fenster aufzudrücken, habe er den Zellentisch als Hebel eingesetzt, sagte der Sprecher. Dann sei er offensichtlich über die Fassade auf der Innenseite aufs Dach und auf der Außenseite auf unbekannte Weise heruntergeklettert.
Von dem Mann fehlt laut Ministerium weiter jede Spur. Er war wegen Diebstahlverdachts in Untersuchungshaft und Ende Mai wegen zwei Wohnungseinbrüchen mit hohem Schaden zu einer sechsjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Dabei soll er nach Informationen aus Justizkreisen nicht nur wertvollen Schmuck, sondern auch mehr als 200.000 Euro Bargeld gestohlen haben.
"Der heutige Ausbruch ist absolut inakzeptabel. Die oberste Priorität hat jetzt die schnelle Ergreifung des flüchtigen Untersuchungshäftlings", erklärte NRW-Justizminister Benjamin Limbach von den Grünen. Parallel müsse der Vorfall umfassend aufgeklärt werden. Ein Sicherheitsexperte des Ministeriums sei bereits vor Ort in der Anstalt und habe die Ermittlungen aufgenommen. "Wir werden lückenlos aufklären, wie diese Sicherheitslücke entstehen konnte, um aus den Ergebnissen umgehend die notwendigen Konsequenzen zu ziehen", kündigte der Minister an.